Experiment Heufütterung..


Bei diesem Thema geht es nicht um Menge oder Art sondern um die Umsetzung der Heufütterung.

Beobachtungen unserer kleinen Herde in den letzten Monaten haben mich zu einigen Versuchen verleitet. Die 24h ad libitum Heufütterung in ihrer bisherigen Form musste dringend überdacht werden.

Mit unserer großen Rundballenraufe haben unsere Pferde eine tolle Möglichkeit jederzeit an ihr Heu zu kommen..es ist genügend Platz für alle vorhanden, es gibt keine Engpässe - ein Ausweichen oder Routieren ist immer möglich.

Eigentlich ideal - und dennoch traute sich ein Pferd phasenweise gar nicht an die Heuraufe heran.

Am Anfang war das gar nicht so auffällig. Auf den Wiesen gab es noch etwas zu knabbern, die Pferde hielten sich nicht unentwegt am Stall auf.

Das änderte sich mit den Wetterverhältnissen und so fing ich an weitere Fressstellen außerhalb des Stallbereiches anzubieten. Zunächst versuchsweise Netze auf der Winterkoppel.

Das brachte schon den ersten Aha-Effekt: Nicht nur, dass besagtes Pferd nun eine größere Chance hatte auch zu seinem Recht zu kommen. Es kam allgemein mehr Bewegung in die Herde. Die Pferde waren richtig "heiß" auf die neuen Fressstellen obwohl sie ja bereits permanent Heuzugang hatten?! Es fand ein reges Bäumchen-wechsel-dich statt. Jeder wollte mal überall naschen.

Somit haben wir alle zusammen entschieden die Fresstellen zu erweitern...erst über Reifen, dann kamen selbstgebaute Heukisten dazu. Sehr praktische Geschichte, da mobil!

 

Inzwischen bieten wir 1 große Heukiste, 2 kleinere und 2-3 Netze alternativ zur großen Heuraufe an.

Die Gesamtsituation ist entspannt, jeder findet immer irgendwo einen Fressplatz. Selbst Pferde, die sich sonst nicht riechen können, stehen nun zusammen.

Insgesamt routieren die Pferde viel intensiver, es ist mehr Bewegung im Spiel aber ohne Zank und Hektik.

Sie bummeln von einer Fressstelle zur nächsten, wieder zurück, zwischendurch zum Wasser, dösen am Stall um anschließend wieder rauszubummeln, ob es z.B. hinten auf der Winterkoppel nicht noch etwas gibt.

Über die Stallkamera kann ich das Treiben gut beobachten und die Entwicklung ist deutlich positiv.

 

Natürlich ist es nichts Neues soviele Fressstellen, wie Pferde vorhanden sind, anzubieten. Es gibt inzwischen genügend Aktiv-Ställe und Paddock-Trails, die nach diesem Prinzip agieren. Eine schöne Entwicklung!

Unser Beispiel zeigt aber, dass Dinge, die immer problemlos funktioniert haben (z.B. unsere große Raufe), nicht zwangsläufig auf ewig funktionieren müssen.

 

Pferdehaltung ist immer ein Stück weit dynamisch.

Änderung der Gruppenzusammenstellung, verschiedene Charaktere,

verschiedene Bedürfnisse...alles wirkt sich auf die Haltung aus.

 

Ich finde also es gehört dazu, seine Tiere zu beobachten und immer mal wieder mit objektiven Blick die Gegebenheiten zu prüfen und -wenn nötig- anzupassen.

 

Kleine Anmerkung: die Pferde machen von sich aus immer wieder Fresspausen. Dadurch, dass sie stets Heu zur freien Verfügung haben, kommen sie gar nicht in die "Not" Fressplätze zu bewachen oder haltlos Heu in sich hinein zu stopfen. Unsere Pferde -vom Shetty bis zum Warmblut- sind alle wohlgeformt. Keines ist zu dick oder zu dünn. Einzig bei der Weide bzw. mit dem Gras müssen wir haushalten und bieten diese daher in der Weidesaison nur stundenweise an. Für Heu gilt aber permanenter Zugang. Das schafft Ruhe und Zufriedenheit.

 

 

...hier unsere beiden "sich-nicht-riechen-können-Kandidaten"...

 

 

Wir werden die vielen kleinen Fressstellen trotz erhöhtem Arbeitsaufwand beibehalten. Sie passen perfekt zu unserer Idee von einem Bewegungsstall :-)